Grundlage sind zwei bereits erstellte Auswertungen der erhaltenen Serverlogs. Die Zahlen beziehen sich auf diese Aufzeichnungen und sind keine vollständige Abschlussrangliste. Kampfmeldungen belegen Angriffe, aber nicht automatisch Siege, Eroberungen oder Verluste. Die Chronik enthält erzählerische Ausschmückungen.
MANDRA
## Chronik einer sterbenden Welt
Eine Erzählung aus dem Jahre 270 vor Christus
PROLOG
### Was von einer Welt bleibt
Am Ende bleiben keine Könige.
Keine Mauern.
Keine Banner, die im Wind über den Zinnen stehen.
Keine Legionen, keine Phalangen, keine Elefanten, keine germanischen Krieger, die ihre Schilde gegen die Speere schlagen.
Am Ende bleiben Namen.
Mattless.
Honkisponk.
Buddha.
Hannicus.
Armenius.
Kettenbrecher.
Julius Maximus.
Namen, eingeritzt in eine Chronik, deren Schreiber niemals schlief.
Sie erzählte nicht von Liebe. Nicht von Hass. Nicht von Angst. Sie kannte weder Verrat noch Mut. Sie unterschied nicht zwischen einem König, der aus Verzweiflung in den Krieg zog, und einem, der es aus Gier tat.
Sie schrieb nur:
Ein Herrscher griff einen anderen an.
Eine Allianz wurde gegründet.
Ein Bündnis wurde geschlossen.
Ein Krieg wurde erklärt.
Und manchmal, ohne weiteren Kommentar:
Ein Spieler hat die Welt von Mandra verlassen.
So endeten Reiche.
In einem einzigen Satz.
Doch zwischen diesen Sätzen lag eine Welt.
Und diese Welt hieß Mandra.
ERSTER AKT
## Als die Welt noch jung war
I. Fünf Völker
Es war das Jahr 270 vor Christus.
Die alten Reiche glaubten, die Welt bereits zu kennen.
Rom erhob sich im Westen und blickte über das Meer, als gehöre ihm dessen Zukunft. Karthago zählte seine Schiffe und sein Silber. In Griechenland lebte der Ruhm vergangener Jahrhunderte zwischen zerstrittenen Städten fort. Im Osten wachten die Seleukiden über ein Reich, das so gewaltig war, dass selbst seine Herrscher nicht wussten, wo es endete. Jenseits der bekannten Straßen lagen die Wälder der Germanen, über die man in den Palästen des Südens mehr Geschichten als Wahrheiten erzählte.
Fünf Völker.
Fünf Arten, Macht zu verstehen.
Und eine Welt, die groß genug schien für sie alle.
Am Morgen des dritten Tages im Oktober begann die Chronik von Mandra Namen zu schreiben.
Mattless erschien.
Kurz darauf Honkisponk.
Dann Markus Aurelius.
Buddha.
Cizi87.
AMD21031982.
vonThalham.
Mattlessius.
Agentus Neunus.
Einer nach dem anderen traten sie aus dem Dunkel der namenlosen Geschichte.
Noch besaßen sie keine Reiche.
Sie hatten Siedlungen.
Einige Palisaden.
Äcker.
Handvoll Männer mit Speeren.
Vielleicht eine Schmiede.
Vielleicht einen Marktplatz.
Vielleicht nur den Glauben, dass aus diesem Flecken Erde eines Tages etwas entstehen könne, dessen Name die Welt kennen würde.
Sie schickten Männer hinaus.
Über Hügel.
Durch Wälder.
Über Flüsse.
In jene Dörfer, die keinem großen Herrscher gehörten.
Dort warteten die Freien Herrscher.
Niemand wusste ihre Namen. Vielleicht hatte es sie nie gegeben. Für die aufstrebenden Könige Mandras waren sie nur die ersten Hindernisse einer Welt, die erobert werden wollte.
Honkisponk marschierte gegen sie.
vonThalham marschierte gegen sie.
Armenius marschierte gegen sie.
Jakob, Mattless, Buddha, Nopharus und viele andere folgten.
Die ersten Kriege waren kleine Kriege.
Ein Dorf.
Eine Palisade.
Ein Feld.
Ein Turm.
Doch aus kleinen Kriegen wachsen große Reiche.
Und aus großen Reichen wächst Misstrauen.
Noch am ersten Tag geschah deshalb etwas, das bedeutender werden sollte als die Eroberung irgendeines namenlosen Dorfes.
Eine Allianz wurde gegründet.
Sie nannte sich:
Die Heganer.
Armenius trat ihr bei.
Andere wurden gerufen.
Zum ersten Mal verstand die junge Welt eine Wahrheit, die sie bis zu ihrem Ende nicht mehr vergessen sollte:
Allein konnte ein Herrscher wachsen.
Doch nur gemeinsam konnte er überleben.
II. Die Zeit der Banner
Innerhalb weniger Tage erschienen überall Zeichen neuer Mächte.
Die Gummibärenbande wurde gegründet.
Dann Wanderlust.
Dann die Neufi Dynastie.
Dann Die Besten.
Manche Bündnisse bestanden kaum länger als das Pergament, auf das ihr Name geschrieben wurde. Andere verschwanden wieder, bevor die Welt begriffen hatte, wofür sie standen.
Doch einige blieben.
Ihre Mitglieder handelten miteinander.
Nahrung wanderte über Straßen.
Holz wurde gegen Stein getauscht.
Eisen wechselte den Besitzer.
Händler fuhren an Grenzposten vorbei, während nur wenige Meilen entfernt Männer Schwerter schmiedeten, die vielleicht schon am nächsten Tag gegen den Handelspartner erhoben würden.
Das war Mandra.
Ein König konnte am Morgen Getreide kaufen und am Abend Krieg führen.
Ein Nachbar konnte heute Verbündeter sein und morgen Beute.
Während die Grenzen wuchsen, änderte sich deshalb auch die Bedeutung der Landkarten.
Früher hatte man auf ihnen Flüsse eingezeichnet.
Gebirge.
Küsten.
Nun malte man Linien.
Hier begann das Land eines Herrschers.
Dort das eines anderen.
Hier standen die Heganer.
Dort wuchs die Neufi Dynastie.
Und irgendwo dazwischen breitete sich die Gummibärenbande aus.
Dann kam der achte November.
Der Tag begann nicht anders als viele zuvor.
Männer zogen gegen freie Dörfer.
Bauern arbeiteten auf den Feldern.
Händler öffneten ihre Lager.
Doch um 9 Uhr 35 wurde ein Satz in die Chronik geschrieben.
Die Gummibärenbande erklärte der Neufi Dynastie den Krieg.
Weniger als zwei Minuten später folgte ein zweiter Satz.
Die Gummibärenbande erklärte auch den Heganern den Krieg.
Zwei Botschaften.
Zwei Kriegserklärungen.
Und die junge Welt war nicht mehr dieselbe.
Bis zu diesem Morgen hatte Mandra vor allem gegen jene gekämpft, die keine Namen besaßen.
Nun kämpften Namen gegen Namen.
Banner gegen Banner.
Erinnerung gegen Erinnerung.
Niemand konnte mehr behaupten, ein Grenzstreit sei nur ein Missverständnis gewesen.
Der Krieg war ausgesprochen worden.
Und ausgesprochene Worte lassen sich nicht wieder in den Mund zurückholen.
III. Der erste Winter
Der Winter kam über Mandra.
Über römische Straßen.
Über karthagische Häfen.
Über griechische Mauern.
Über die fernen Provinzen der Seleukiden.
Über die germanischen Wälder.
Doch er brachte keinen Frieden.
Reiche wuchsen weiter.
Neue Dörfer wurden angegriffen.
Neue Herrscher erschienen.
Andere verschwanden.
Manchmal vermerkte die Chronik mitten in der Nacht nur:
Ein Spieler hat die Welt von Mandra verlassen.
Keine Erklärung.
Vielleicht war sein Heer vernichtet worden.
Vielleicht hatte er seine Hoffnung verloren.
Vielleicht war er eines Morgens auf die Mauern seiner Stadt gestiegen, hatte über sein Land geblickt und verstanden, dass er nicht mehr kämpfen wollte.
Die Chronik wusste es nicht.
Sie schrieb nur das Ende.
Und dann schrieb sie weiter.
Im Januar entstand die MilitantenStadlGarde.
Im Februar das Erste Mandarische Imperium.
Der Name war groß.
Vielleicht größer als sein Reich.
Aber so beginnen Imperien oft: nicht mit Größe, sondern mit dem Anspruch darauf.
Und während die Monate vergingen, geschah etwas Merkwürdiges.
Die Welt wurde voller – und gleichzeitig kleiner.
Entfernungen verloren ihre Bedeutung.
Wo einst mehrere Tagesreisen zwischen zwei Reichen gelegen hatten, berührten sich nun Grenzen.
Wo früher neutrale Dörfer gewesen waren, standen Städte.
Straßen verbanden Länder miteinander.
Heere fanden schneller ihre Ziele.
Jeder neue Sieg nahm der Welt ein Stück Wildnis.
Jede neue Stadt machte den nächsten Krieg wahrscheinlicher.
Denn irgendwann gibt es in einer Welt der Eroberer nichts Unbesessenes mehr.
Dann muss ein Herrscher, der wachsen will, nehmen, was einem anderen gehört.
Und dieser Augenblick rückte näher.
Tag für Tag.
Dorf für Dorf.
Schwert für Schwert.
ZWEITER AKT
## Das Zeitalter der großen Reiche
IV. Der Senat erhebt sich
Der Frühling ging.
Der Sommer nahte.
Am zwölften Mai erhob sich ein Name, der an ein älteres Zeitalter erinnerte.
Senatus Populusque Romanus.
Der Senat und das Volk von Rom.
Eine neue Allianz war geboren.
Charon trat ihr bei.
Später TheKatatonia.
Andere Mächte entstanden ebenfalls.
Veni Vidi Vandalismus.
Carthaginiensium spes – die Hoffnung der Karthager.
Vendetta.
Die Namen wurden selbstbewusster.
Es waren nicht länger nur Gemeinschaften.
Sie waren Ansprüche.
Versprechen.
Drohungen.
Und im Sommer des Jahres 270 vor Christus begann Mandra zu brennen.
Nicht an einer einzigen Front.
Überall.
In Carthago Nova wurde gekämpft.
In Askabrunn.
In Psitopia.
Und immer wieder an einem Ort, dessen Name bald wie ein Fluch durch die Chronik wanderte:
Alderaan.
Dort stand Buddha.
Und gegen ihn kamen sie.
Oberhaupt.
Freiheitsklinge.
Elefantenfürst.
Kettenbrecher.
Phalanxschild.
Nicht einmal.
Nicht zweimal.
Wieder und wieder tauchten ihre Namen vor Alderaan auf.
Fünf Heerführer.
Fünf Banner.
Fünf Armeen, deren Schritte den Boden erschütterten.
Man kann sich vorstellen, wie die Wächter auf den Mauern standen, während am Horizont Staub aufstieg.
Zuerst ein dunkler Streifen.
Dann Speerspitzen.
Dann Standarten.
Dann Männer.
Tausende vielleicht.
Oder weniger.
Die Chronik nennt ihre Zahl nicht.
Sie verzeichnet nur die Angriffe.
Doch manchmal sagt Wiederholung mehr als jede Zahl.
Am dritten Juli kamen sie.
Am selben Abend wieder.
In der Nacht erneut.
Am nächsten Tag.
Und wieder.
Und wieder.
Alderaan wurde zu mehr als einer Stadt.
Es wurde zum Symbol dafür, was aus Mandra geworden war.
Die Zeit der kleinen Grenzkriege war vorbei.
Nun marschierten koordinierte Heere.
Während Oberhaupt gegen Buddha zog, schlugen Elefantenfürst, Kettenbrecher und Phalanxschild auch gegen Mattless in Carthago Nova.
Anderswo wurde Honkisponk in Askabrunn angegriffen.
Psitch verteidigte Psitopia.
Die Welt hatte ihre Unschuld verloren.
Und dennoch geschah mitten zwischen all diesen Schlachten etwas scheinbar Widersprüchliches.
Neue Bündnisse entstanden.
V. Die Diplomaten
Am fünften Juli wurden die Erben des Seleukos gegründet.
Psitch trat ihnen bei.
Bereits einen Tag später sandte die Gummibärenbande eine Bündnisanfrage.
Am siebten Juli wurde sie angenommen.
Während also Heere gegen Alderaan marschierten, reichten sich anderswo Diplomaten die Hände.
Das war kein Widerspruch.
Das war dieselbe Entwicklung.
Denn je größer die Kriege wurden, desto weniger konnte ein Reich allein bestehen.
Am achten Juli entstanden die Septem Montes Romae, die sieben Hügel Roms.
Carthaginiensium spes suchte ihre Freundschaft.
Einen Tag später wurde das Bündnis geschlossen.
Karthago und Rom.
Vielleicht hätten die Ahnen darüber gelacht.
Vielleicht hätten sie geflucht.
Doch Mandra kannte keine ewigen historischen Feindschaften.
Nur Interessen.
Und Interessen ändern sich.
Bald erschien auch der Bund freier Germanen.
Weitere Herrscher traten den bestehenden Allianzen bei.
Gesandte ritten zwischen den Hauptstädten.
Verträge wurden ausgehandelt.
Bündnisse geschlossen.
Die Karten der Feldherren wurden komplizierter.
Nicht mehr nur:
Wer grenzt an mich?
Sondern:
Wer steht hinter ihm?
Wer wird eingreifen, wenn ich angreife?
Wer handelt mit meinem Feind?
Wessen Freund ist mein Verbündeter?
Und wessen Feind wird er morgen sein?
Das Zeitalter der Könige verwandelte sich in das Zeitalter der Blöcke.
Doch unter den diplomatischen Worten lag weiterhin Stahl.
Alderaan brannte weiter.
Carthago Nova wurde weiter angegriffen.
Askabrunn hörte die Hörner fremder Heere.
Und die Namen Oberhaupt, Freiheitsklinge, Elefantenfürst, Kettenbrecher und Phalanxschild erschienen so oft in der Chronik, dass man sich vorstellen konnte, sie seien keine Menschen mehr, sondern fünf Gestalten eines einzigen Unheils.
Wo einer erschien, waren die anderen nicht weit.
VI. Carthago Nova
Von all den Städten Mandras war Carthago Nova vielleicht jene, an der sich am deutlichsten zeigte, wie schnell Freunde zu Gegnern werden konnten.
Mattless hatte die Stadt gehalten.
Immer wieder kamen Heere gegen sie.
Oberhaupt.
Elefantenfürst.
Kettenbrecher.
Phalanxschild.
Später auch Honkisponk.
Carthago Nova wurde zu einem jener Namen, die Soldaten nur leise aussprachen.
Denn Städte bestehen für Könige aus Mauern und Zahlen.
Für die Männer, die sie verteidigen, bestehen sie aus anderen Dingen.
Aus dem Brunnen, an dem ihre Kinder trinken.
Aus dem Haus ihrer Eltern.
Aus dem Tempel am Marktplatz.
Aus der Stelle auf der Mauer, an der ein Freund am Vortag gefallen ist.
Die Chronik kannte diese Menschen nicht.
Sie kannte nur ihre Herrscher.
Vielleicht ist das die Grausamkeit jeder Chronik.
Sie erinnert sich an die Könige und vergisst die Männer, die für sie starben.
Ende Juli griff Honkisponk Mattless in Carthago Nova an.
Anfang August wieder.
Und doch gab es zwischen beiden mehr als offenen Hass.
Später handelten Herrscher miteinander, die sich bekämpft hatten.
Bündnisse liefen neben Feindschaften her.
Alte Rechnungen wurden nicht vergessen, nur vertagt.
Mandra wurde zu einem Netz aus Beziehungen, das niemand mehr vollständig überblickte.
Carthaginiensium spes suchte Bündnisse mit anderen Mächten.
Das Erste Mandarische Imperium verband sich mit dem Bund freier Germanen.
Der Bund freier Germanen wiederum suchte weitere Partner.
Was wie Frieden aussah, war häufig nur die Vorbereitung auf den nächsten Krieg.
Je dichter das Netz wurde, desto größer war die Gefahr, dass ein einziger Schnitt genügte, um alles zerreißen zu lassen.
Und dieser Schnitt kam.
DRITTER AKT
## Die letzten Tage von Mandra
VII. Alte Freunde
Der September begann.
Fast ein Jahr war vergangen, seit die ersten Herrscher die Welt betreten hatten.
Die kleinen Dörfer des Anfangs waren zu Reichen geworden.
Die Namen, die einst unbekannt gewesen waren, hatten Geschichte.
Mattless.
Honkisponk.
Buddha.
Hannicus.
Julius Maximus.
AMD21031982.
Banana.
Kimmi.
Ximil.
eMZed.
BlauerOsterHase.
Sie hatten gehandelt.
Erobert.
Verhandelt.
Verbündet.
Gekämpft.
Einige hatten vielleicht geglaubt, die schlimmsten Kriege lägen hinter ihnen.
Doch eine alte Welt ist gefährlicher als eine junge.
Eine junge Welt besitzt Raum.
Eine alte Welt besitzt Erinnerungen.
Am zweiundzwanzigsten September erklärte eMZed BlauerOsterHase den Krieg.
Vier Tage später folgte ein anderer Name.
Mattless erklärte Buddha den Krieg.
Nur wenige Stunden danach geschah etwas, das in der nüchternen Sprache der Chronik unscheinbar wirkte.
Honkisponk kündigte sein Bündnis mit Mattless.
Ein Satz.
Mehr nicht.
Doch Bündnisse sterben selten in einem Augenblick.
Vielleicht hatte der Bruch Wochen zuvor begonnen.
Vielleicht wegen eines nicht geleisteten Beistands.
Vielleicht wegen einer Stadt.
Vielleicht wegen eines Handels.
Vielleicht wegen einer Kränkung, die nur zwei Menschen verstanden.
Wir wissen es nicht.
Die Chronik schweigt.
Aber sie verrät uns, was danach geschah.
Mattless marschierte gegen Buddha.
Azeroth.
Alderaan.
Coruscant.
Bespin.
Lothal.
Korriban.
Sullust.
Exegol.
Trandosha.
Atlantis.
Utapau.
Dagobah.
Telos IV.
Tatooine.
Hoth.
Geonosis.
Eine Stadt nach der anderen erschien in der Chronik.
Als würden zwei Reiche nicht mehr um eine Grenze kämpfen, sondern darum, wer am Ende überhaupt noch stehen würde.
Buddha schlug zurück.
Hupfburg.
Coruscant.
Dagobah.
Tunis Magna.
Ain Baal.
El Dorado.
Leptis Magna.
Und schließlich wieder:
Carthago Nova.
Der Krieg hatte die Form eines Sturms angenommen.
Er wanderte über die gesamte Landkarte.
Kein einzelner Ort war mehr entscheidend.
Das Reich selbst war das Schlachtfeld.
VIII. Der Mann, der allen den Krieg erklärte
Dann kam der neunundzwanzigste September.
Wenn Mandra einen Tag besaß, an dem die letzten Fäden der Ordnung rissen, dann war es vielleicht dieser.
Am Nachmittag erklärte eMZed Julius Maximus den Krieg.
Im selben Augenblick auch Psitch.
Wenig später Kimmi.
Dann Ximil.
Noch am selben Tag:
Banana.
Buddha.
Hannicus.
AMD21031982.
Honkisponk.
Mattless.
Name um Name.
Krieg um Krieg.
Als hätte ein einzelner Herrscher beschlossen, dass es in den letzten Tagen keinen Unterschied mehr zwischen Nachbarn, Rivalen und Fremden geben sollte.
Vielleicht war es Zorn.
Vielleicht Berechnung.
Vielleicht Verzweiflung.
Vielleicht nur die Erkenntnis, dass das Ende nahte und alle alten Rechnungen beglichen werden mussten, bevor niemand mehr da war, um sie einzufordern.
Während diese Kriegserklärungen die Welt erschütterten, kämpften Buddha und Mattless erneut in Carthago Nova.
BlauerOsterHase griff Julius Maximus in Barad-Dûr an.
Hannicus verlängerte einen Krieg.
Buddha verlängerte einen Krieg.
Niemand wollte loslassen.
Als hätte jeder begriffen, dass Frieden zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Rettung bedeutete.
Nur Stillstand.
Und wer ein Jahr lang Reiche gebaut hatte, wollte nicht stillstehen.
Nicht jetzt.
Nicht am Ende.
IX. Der Rachefeldzug
Am Morgen des dreißigsten September geschah, was sich seit Tagen angekündigt hatte.
Honkisponk erklärte Mattless den Krieg.
Vielleicht war es eine Formalität.
Vielleicht hatte der eigentliche Krieg bereits in jenem Moment begonnen, als das Bündnis vier Tage zuvor zerbrochen war.
Wenige Stunden später marschierten Honkisponks Heere.
Zuerst gegen die Hüpfburg.
Dann gegen Carthago Nova.
Dann gegen einen Ort, dessen Name keinen Versuch mehr machte, Neutralität vorzutäuschen.
Rachefeldzug.
Danach:
Karth Aurum.
Dörfer.
Noch mehr Dörfer.
Hadrumetum.
Einfallstor.
Cibola.
Wieder Dörfer.
Dann Solara.
Qart Aynit.
Chrysopolis.
Es war keine einzelne Schlacht.
Es war eine Kette aus Schlägen.
Eine Front, die sich immer weiter fraß.
Honkisponk griff Mattless wieder und wieder an.
Mattless schlug zurück.
Morgenfurt sah seinen Gegenangriff.
Doch Honkisponk war nicht allein.
Noch am selben Nachmittag erklärte auch Hannicus Mattless den Krieg.
Am Abend griff Hannicus an.
Gildara.
Ein Dorf.
Matarbal.
Später, tief in der Nacht und hinein in den nächsten Morgen, weitere Angriffe.
Vielleicht konnte Mattless von seinen Mauern aus mehrere Feuer gleichzeitig am Horizont sehen.
Vielleicht kamen Boten so schnell hintereinander, dass die alten Nachrichten bereits wertlos waren, bevor sie vorgelesen wurden.
„Carthago Nova wird angegriffen.“
„Hadrumetum ist unter Beschuss.“
„Neue Truppen aus dem Norden.“
„Hannicus ist unterwegs.“
„Honkisponk greift erneut an.“
„Noch ein Heer.“
„Noch eines.“
Irgendwann gibt es in einem Krieg zu viele Nachrichten.
Dann bleibt nur noch Lärm.
Hufschlag.
Metall.
Schreie.
Und Rauch.
X. Der letzte Morgen
Der erste Oktober begann still.
Zumindest erzählt die Chronik es so.
Um kurz vor fünf Uhr kämpfte Hannicus noch gegen Mattless.
Dann vergingen Stunden.
Die Sonne stieg über Mandra.
Vielleicht sah die Welt an diesem Morgen beinahe friedlich aus.
Das Meer lag ruhig.
In den Wäldern fiel Tau von den Blättern.
Auf verlassenen Feldern bewegte der Wind das Getreide.
Männer, die ein Jahr zuvor noch Bauern gewesen waren, standen auf Mauern und warteten darauf, ob sie an diesem Tag Soldaten sein mussten.
Um 14 Uhr 35 schrieb die Chronik erneut.
Hannicus gegen Buddha in Atlantis.
Atlantis.
Eine Stadt, die in den vergangenen Tagen bereits zwischen den Fronten aufgetaucht war.
Nun erreichte Hannicus sie.
Eine Stunde später:
Hannicus gegen Julius Maximus in Barad-Dûr.
Und danach?
Nichts Großes mehr.
Keine letzte Allianz.
Keine Erklärung des Siegers.
Keine Krönung.
Kein Triumphzug.
Keine Stimme eines Herolds, die verkündete, welches Volk Mandra beherrschte.
Nur noch ein letzter Eintrag.
17 Uhr 30.
Ein Spieler hat die Welt von Mandra verlassen.
Das ist alles.
So endet die Chronik.
Fast ein Jahr Geschichte.
Zehntausende Kämpfe.
Unzählige Handelsgeschäfte.
Dörfer, die ihre Herren wechselten.
Allianzen, die entstanden und verschwanden.
Freundschaften.
Feindschaften.
Kriegserklärungen.
Namen.
Und am Ende ein namenloser Abschied.
EPILOG
### Die Welt erinnert sich
Vielleicht ist es richtig, dass Mandra so endete.
Nicht mit einem Sieger.
Sondern mit einer Frage.
Denn was bedeutet Sieg in einer Welt, die irgendwann verschwindet?
Die Römer wollten Ewigkeit.
Die Karthager wollten Macht.
Die Griechen kannten den Ruhm.
Die Seleukiden kannten die Größe.
Die Germanen kannten die Freiheit.
Und doch mussten sie alle dieselbe Lektion lernen:
Keine Mauer ist ewig.
Kein Bündnis ist ewig.
Kein Reich ist ewig.
Nicht Alderaan.
Nicht Carthago Nova.
Nicht Psitopia.
Nicht Askabrunn.
Nicht Atlantis.
Nicht Barad-Dûr.
Nicht die Heganer.
Nicht die Gummibärenbande.
Nicht der Senatus Populusque Romanus.
Nicht die Erben des Seleukos.
Nicht Carthaginiensium spes.
Nicht das Erste Mandarische Imperium.
Nicht der Bund freier Germanen.
Alles endet.
Aber nicht alles wird vergessen.
Vielleicht standen die Götter am letzten Abend über Mandra.
Vielleicht blickten sie hinunter auf die verlassenen Schlachtfelder.
Auf zerbrochene Schilde.
Auf ausgebrannte Feuerstellen.
Auf Straßen, über die keine Händler mehr kamen.
Auf Mauern, die niemand mehr verteidigen musste.
Vielleicht gingen sie durch die Hallen der Könige und fanden dort die Karten, über denen ein Jahr lang gestritten worden war.
Grenzen.
Pfeile.
Namen.
Pläne für Kriege, die niemals stattfinden würden.
Und irgendwo lag die Chronik.
Jenes seltsame Buch, das niemals geschlafen hatte.
Seine erste Seite erzählte von einem Morgen, an dem Mattless die Welt betreten hatte.
Dann Honkisponk.
Markus Aurelius.
Buddha.
Cizi87.
AMD21031982.
vonThalham.
Und all die anderen.
Seite um Seite war hinzugekommen.
Die Gründung der Heganer.
Die Gummibärenbande.
Der Krieg gegen die Neufi Dynastie.
Der Krieg gegen die Heganer.
Das Mandarische Imperium.
Der Senat und das Volk von Rom.
Carthaginiensium spes.
Die Erben des Seleukos.
Die sieben Hügel Roms.
Der Bund freier Germanen.
Bündnisse.
Verrat.
Alderaan.
Carthago Nova.
Der Krieg zwischen Mattless und Buddha.
Der Bruch zwischen Honkisponk und Mattless.
eMZeds Kriegserklärungen gegen beinahe die ganze bekannte Welt.
Der Rachefeldzug.
Hannicus.
Atlantis.
Barad-Dûr.
Und schließlich:
Ein Spieler hat die Welt von Mandra verlassen.
Vielleicht blätterte einer der Götter durch diese Seiten.
Vielleicht fragte er sich, welcher dieser Männer der Größte gewesen war.
Der mit den meisten Städten?
Der mit dem meisten Gold?
Der mit der mächtigsten Armee?
Derjenige, dessen Bündnisse am längsten hielten?
Oder jener, der am Ende noch stand?
Doch vielleicht war das die falsche Frage.
Denn kein einzelner Herrscher hatte Mandra erschaffen.
Sie alle hatten es getan.
Jeder Handel.
Jede Eroberung.
Jede Einladung in eine Allianz.
Jeder gebrochene Vertrag.
Jeder nächtliche Angriff auf ein Dorf, dessen Nummer heute niemand mehr kennt.
Jede Armee vor Alderaan.
Jeder Marsch gegen Carthago Nova.
Jeder Spieler, der kam.
Und jeder, der ging.
Gemeinsam hatten sie aus einer leeren Karte eine Welt gemacht.
Eine Welt mit Geschichten.
Eine Welt mit Erinnerungen.
Eine Welt, in der ein Name genügte, um alte Freunde an einen Krieg zu erinnern.
Vielleicht war genau das ihr größter Sieg.
Nicht dass einer von ihnen Mandra beherrscht hatte.
Sondern dass Mandra gelebt hatte.
Für beinahe ein Jahr.
Für Tausende Schlachten.
Für all jene Stunden, in denen irgendwo ein Herrscher auf eine Karte blickte und dachte:
Nur noch diese eine Stadt.
Nur noch dieses eine Dorf.
Nur noch diesen einen Feind.
Morgen.
Doch irgendwann gibt es kein Morgen mehr.
Die Feuer erloschen.
Die Tore blieben geschlossen.
Die Legionäre legten ihre Schilde nieder.
Die Phalangen senkten ihre Sarissen.
Die Kriegselefanten verschwanden von den Straßen.
Die germanischen Krieger kehrten in die Wälder zurück.
Die Schiffe Karthagos lagen schweigend in den Häfen.
Und über der Welt von Mandra wurde es still.
Doch tief unter dem Staub blieb die Chronik.
Und solange jemand sie öffnet, marschieren die Heere wieder.
Dann stehen die fünf Völker erneut an den Grenzen ihrer Reiche.
Dann erhebt sich Alderaan.
Dann öffnen sich die Tore von Carthago Nova.
Dann flattern die Banner der Heganer im Wind.
Die Erben des Seleukos versammeln sich.
Der römische Senat tagt.
Die Karthager schicken ihre Gesandten aus.
Die Germanen schließen ihren Bund.
Und irgendwo am Horizont erscheint ein Heer.
Vielleicht Honkisponk.
Vielleicht Mattless.
Vielleicht Buddha.
Vielleicht Hannicus.
Vielleicht einer jener Herrscher, deren Namen längst zwischen tausend Einträgen verborgen liegen.
Denn Reiche sterben zweimal.
Einmal, wenn ihre Mauern fallen.
Und ein zweites Mal, wenn niemand mehr ihre Geschichte erzählt.
Die erste Welt von Mandra ist gefallen.
Die zweite Niederlage aber hat sie noch nicht erlitten.
Denn wir erinnern uns.
Und deshalb lebt sie.
Mandra.
